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„Antifa heißt Luftangriff“ – Kritik der neoliberalen Strömung im Antifaschismus

Neoliberale Antifa auf einer Demo Antideutsche treten auf einer Demonstration für imperialistische und rassistische Politik ein von Montecruz Foto unter CC BY-SA 2.0

Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des Cottbuser Kulturmagazins „Blicklicht“ teilen wir hier eine interessante Buchbesprechung, die in der März-Ausgabe 2018 erschienen ist.


Verkehrte Welt im politischen Spektrum: Antifagruppen, die in deutschen Großstädten jubeln, wenn Arme aus ihren Wohnungen vertrieben und an die Stadtränder gedrängt werden. Mitglieder eines linken Jugendverbandes, die das „antikapitalistische Unwesen“ von Blockupy-Aktivisten kritisierten.

Es sei eine bizarre Entwicklung, aber nur ein Symptom der wachsenden Degeneration des deutschen Antifaschismus, schreibt Susann Witt-Stahl in ihrem Beitrag zum Sammelband „Antifa heißt Luftangriff“. „Nicht wenige Nazi-Gegner betrachten Kritiker des Finanzmarktkapitalismus oder der US-Außenpolitik, Muslime, neuerdings auch wieder Russen, die Friedensbewegung und die Antiimperialisten als den Hauptfeind, sogar widerständige Hartz IV-Empfänger – vor allem aber das sozialistische Kollektiv, das als ‚totalitär‘ diskreditiert wird.“

Diese kurze Beschreibung trifft auf linke Gruppen zu, wie man sie wohl in allen Städten der Bundesrepublik finden kann. Was diese „Linken“ meist nicht wissen: Ihre politischen Ansichten unterscheiden sich kaum noch von denen der neoliberalen Ideologen und der heutigen Eliten. Diese „Linken“ sind im Laufe der Zeit staatstragend geworden. Eine ernstzunehmende Opposition zum herrschenden politischen und wirtschaftlichen System stellen sie nicht mehr dar.

Neoliberale Ideologie übernommen, Einfluss im Volk verloren

Susann Witt-Stahl zeichnet in ihrem Beitrag nach, wie die neoliberalen Theorien eines Walter Lippmann, eines Friedrich August von Hayek oder eines Ludwig von Mises eingegangen sind in das Theoriengebäude des Antifaschismus. Allen sozialen Bewegungen, Gewerkschaften und Parteien, die sich gegen das freie Treiben der Märkte aussprechen, wird seitdem eine Nähe zu faschistischen Massenorganisationen unterstellt.

Nach Jahren der Spaltung, des Kleinkriegs zwischen den linken Gruppen und der gegenseitigen Ausgrenzung ist die politische Linke machtlos und muss einflusslos mit ansehen, wie neu-rechte Bewegungen erstarken. NATO-Staaten führen neokoloniale Kriege und erhalten von „Linken“ Beifall. In der Bevölkerung genießen diese „Linken“ so gut wie keinen Rückhalt mehr.

Geschichte zeigt: Es geht auch anders

Dabei ginge es auch anders, wie Maciej Zurowski in seinem Beitrag zeigt. Denn die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) tat sich in der Weimarer Republik nicht schwer, auch mit Anhängern der Nazis zu sprechen – mit Erfolg: Die NSDAP musste damals ihren Mitgliedern die Teilnahme an Debatten mit Kommunisten untersagen, um ihre Anhänger nicht zu verlieren. Auch der berüchtigte BVG-Streik von 1932, bei dem Anhänger beider Parteien Seite an Seite streikten, war ein Desaster für die NSDAP. In der Berliner Mittelschicht musste sie massive Stimmverluste hinnehmen und viele BVG-Angestellte liefen zur KPD über.

Zum Buch:
Susann Witt-Stahl, Michael Sommer (Hrsg) (2014): „Antifa heißt Luftangriff!“. Regression einer revolutionären Bewegung, Hamburg: Laika-Verlag, 216 Seiten
Preis: 21€
ISBN: 978-3-944233-13-0

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