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Erfolg rechter Medienarbeit

Einfluss von Rechten durch systematische Medienarbeit gewachsen. Linke Medien weit abgehangen

Rechte Medien und Blogs werden viel gelesen

Rechte Bewegungen schaffen momentan das, wovon viele Linke träumen: Mit ihren politischen Themen bewegen sie viele Menschen. Die Wahlerfolge der AfD haben viele überrascht. Rechte und rechtspopulistische Blogs und Webseiten erreichen mittlerweile jeden Monat ein Millionenpublikum. Ihre Texte sind Quellen für Shitstorms auf Facebook. Und die Mechanismen der Suchmaschinen und sozialen Medien spielen ihnen in die Hände.

Linke Medien im Vergleich deutlich abgeschlagen

Im Fokus der Aufmerksamkeit stehen oftmals die großen rechtspopulistischen Newsportale. Die nationalkonservative Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) erreicht laut Analysedienst SimilarWeb jeden Monat mehr als 2,6 Millionen Menschen. Noch einflussreicher ist die Seite PI-News mit rund 5,3 Millionen monatlichen Lesern. „EpochTimes“ wird im Internet jeden Monat von fast sechs Millionen Menschen gelesen. „Tichys Einblick“ kommt auf fast 4 Millionen Lesern im Monat. Aber auch das Compact-Magazin gehört mit teilweise mehr als 900.000 Lesern im Monat zu den Meinungsmachern in der nationalkonservativen und rechten Szene.

Linke Medien kommen dagegen auf ein sehr bescheidenes Ergebnis. Am einflussreichsten ist die Tageszeitung „junge Welt“ mit mehr als 900.000 monatlichen Online-Lesern, dicht gefolgt vom „Neuen Deutschland“ mit rund 850.000 Lesern im Monat. Danach kommt lange nichts mehr. Die Internetseite der Partei DIE LINKE wird durchschnittlich von 144.000 Menschen im Monat gelesen und die Seite ihrer Bundestagsfraktion nur mehr als 70.000 im Monat aufgerufen. Erschwert wird eine Lageeinschätzung dadurch, dass viele linke Medien ihre Besucherzahlen offenbar gar nicht gezielt registrieren. Es ist allerdings nicht anzunehmen, dass sich das Gesamtbild in irgendeiner Weise ändern würde.

Blogs: Unterschätzte Meinungsmacher

Nicht zu vergessen sind die vielen kleineren Internetseiten, mit denen die Rechten das Meinungsklima in Deutschland beeinflussen. Die DGB-Zeitschrift einblick (17/2016) ging davon aus, dass mehr als 1.600 Blogs und Webseiten im rechten Milieu online sind. Und viele von ihnen erreichen täglich auch mehrere tausend Menschen. So kommt der Blog des bekennenden AfD-Anhängers Jürgen Fritz auf teilweise mehr als 300.000 Besucher im Monat. Der Blog „Der Honigmann sagt“ schaffte es auf fast 400.000 Leser. Wohlgemerkt: Beide Blogs werden offenbar von Einzelpersonen betrieben. Andere Blogs (philosophia perrenis: 825.000) kommen durchaus auf die Nutzerzahlen der linken Leitmedien.

Auch wenn sich diese Vielzahl an Blogs inhaltlich und optisch zum Teil stark unterscheiden, haben sie ein gemeinsames Ziel: Sie wollen das Meinungsklima in der Bundesrepublik nach rechts verschieben. Viele ihrer Beiträge befassen sich einseitig und ausschließlich negativ mit der Situation der Geflüchteten, mit der angeblich gefährdeten inneren Sicherheit, dem Islam, der „Lügenpresse“ und den „Systemparteien“.

Politisch korrekte Sprache überlässt Rechten Spielräume

Gegenüber dem DGB-Magazin einblick sagte der Journalist und taz-Autor Andreas Speit, in den vergangen Jahren sei es der gesamten rechten Szene gelungen, mittels der neuen Kommunikationstechniken eine parallele Informationswelt auf- und auszubauen. „Rund um die Uhr können sich Menschen jenseits seriöser und renommierter Medien die vermeintlichen Informationen zusammensuchen.“ In der Szene werde dies als Durchbrechen des „Schweigekartells“ gefeiert.

Die Aktivitäten der rechten Medienmacher haben langfristig Spuren im Netz hinterlassen. Kaum eine Google-Suche zu den Themen Migration, Flüchtlinge oder Muslime in Deutschland, bei denen nicht Beiträge dieser Portale prominent in den Ergebnissen auftauchen.

Problematisch in diesem Zusammenhang ist, dass Autoren rechter Blogs Worte und Formulierungen verwenden, die zwar im Volksmund vorkommen, aber von etablierten Medien nicht verwendet werden. Die Suche mit den Schlagworten „Asylant Kriminalität“ ergab drei rechtspopulistische Blogs unter den ersten zehn Suchergebnissen, gleich zwei unter den ersten fünf Suchergebnissen. Das ist bedeutsam, weil laut Studien drei Viertel aller Klicks bei Google auf die ersten fünf Suchergebnisse fallen. Rund 90 Prozent aller Klicks kommen auf die ersten zehn Ergebnisse. Aller Wahrscheinlichkeit nach erhält bei dieser Suche der Blog „Politikversagen“ fast die Hälfte aller über die Google-Suche realisierten Zugriffe, da er (am 2.1.2018) an Platz eins steht.

Mechanismen der Suchmaschinen befördern rechte Seiten

Der DGB weist darauf hin, weil seriöse Newsseiten Worte wie „Asylant“ meiden, hätten „rechte Meinungsmacher in diesen semantischen Feldern nur wenig Konkurrenz – sie dominieren diese Themenaspekte und sorgen dafür, dass sich Gerüchte, Halbwahrheiten und Falschmeldungen halten und weiter verbreiten“.

Die rechten Portalbetreiber machen sich dabei die Algorithmen der Suchmaschinen zunutze. Suchmaschinen wie Google honorieren jeden sogenannten Backlink auf einen Beitrag. Das heißt, verweist Blog A auf einen Beitrag in Blog B, dann stuft Google den Beitrag in Blog B als bedeutsam ein. Der Algorithmus der Suchmaschinen deutet nämlich die Verlinkung als Beleg für die Qualität des Artikels und stuft den Text in der Ergebnisliste höher ein. Je mehr Links auf einen Beitrag verweisen, desto weiter vorn wird dieser in den Suchergebnissen angezeigt. Und noch bedeutsamer wird ein Backlink, der von einer vielbesuchten Seite auf einen bestimmten Beitrag verweist.

Deutlich wird dies am Beispiel des Kopp-Verlags, der als „Ausrüster“ für Verschwörungstheoretiker, Esoteriker und auch Rechte gilt. Der Verlag gibt den „Kopp-Report“ heraus, eine Internetseite mit etwas mehr als einer Million Besucher im Monat. Dieser verlinkt im großen Stil auf Meldungen anderer Medien vor allen zu den Themen Migration, Islam und Innere Sicherheit. Häufige Linkziele sind rechte Seiten wie die „Junge Freiheit“, „PI-News“ oder „Journalistenwatch“. Dafür wird wiederum von Seiten wie „PI-News“ auf den Kopp-Verlag verwiesen.

Hyperaktive, rechte Internetaktivisten

Einen ähnlich großen Erfolg wie bei den Suchmaschinen haben rechte Seiten in den sozialen Medien wie Facebook und Twitter. Der Onlinedienst 10000flies.de ist auf die Analyse der „Likes“ auf Facebook, Twitter und Google+ verschiedener Medien spezialisiert. Eine Auswertung zeigt: Die unseriösen, rechtspopulistischen und rechten Portale gehören mittlerweile zu den Top-100-Newsportalen in Deutschland. Unter den 50 meistgelikten Seiten befanden sich im Dezember Journalistenwatch (Platz 29), EpochTimes (Platz 33) und Junge Freiheit (Platz 47). Am meisten geteilt wurden der Auswertung zufolge vor allem negative Berichte (auch der renommierten Medien) über Flüchtlinge und Muslime.

Und wieder machen sich hier rechte Medien die Algorithmen von Facebook zunutze, mit denen Nutzern des sozialen Netzwerks Beiträge empfohlen werden. Diese reagieren nämlich unter anderem darauf, wieviele „Likes“ ein Beitrag bekommen hat und wie oft ein Beitrag kommentiert wurde. Professor Simon Hegelich von der Technischen Universität München hat 2016 im Auftrag des ZDF alle Aktivitäten zur Debatte um die Geflüchteten im Facebook-Milieu von Afd und Pegida analysiert. Sein Fazit: Im Umfeld von AfD und Pegida waren hyperaktive Nutzer auf Facebook aktiv. „Während der durchschnittliche Nutzer auf Facebook relativ passiv ist, d. h. wenig Kommentare schreibt und wenige Beiträge ‚liked‘, sind diese hyperaktiven Nutzer mehrere Stunden täglich damit beschäftigt, bestimmte Beiträge zu kommentieren und zu liken.“ Dadurch werde die Netzwerkstruktur auf Facebook nachweislich verzerrt. Es entstehe der Eindruck, Äußerungen, die sich gegen Geflüchtete wendeten, wären wesentlich populärer und würden häufiger kommentiert. Nutzern, die einmal im Pegida-Umfeld gelandet seien, würden so wahrscheinlich mehr Inhalte aus diesem Bereich vorgeschlagen bekommen als es ohne die hyperaktiven Nutzer der Fall wäre.

Bislang haben Linke dem kaum etwas entgegenzusetzen. Und das liegt unter daran, dass sie ihre Medien nicht zielgerichtet aufgebaut haben. Aber, so wie der ehemalige Sozialsprecher der österreichischen Grünen, Karl Öllinger, in einem Interview mit dem Onlinemagazin Telepolis sagte, zerredeten Linke ihr Vorschläge auch viel zu oft. Rechte würden ihre Vorschläge dagegen verbreiten.

Zuerst veröffentlicht in: Unsere Zeit vom 5.1.2018

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