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Es reicht! – Eine Nachbetrachtung zum 15. Februar 2016

Mehrere Parteien, Gewerkschaften und Verbände hatten aufgerufen, anlässlich des Jahrestages der Bombardierung von Cottbus ein Zeichen für Frieden und Solidarität zu setzen und den Neo-Faschisten, die sich wie alle Jahre wieder am Hauptbahnhof eingefunden hatte und lediglich ca. 30 Leute zusammenbringen konnten, die Stirn zu bieten. An diesem nieseligen 15. Februar 2016 kamen mehrere hundert Cottbuser aller Altersgruppen, um an das Schicksal von Cottbus zu erinnern, ein Schicksal, was den meisten deutschen Großstädten zum Ende des Zweiten Weltkriegs widerfahren ist. Bomben fielen auf die Stadt, löschten tausende Leben aus und machten zig-tausende Bewohner obdachlos. Die Blindgänger jener Zeit bedrohen noch heute die Stadt und das Umland.

Die meisten der Demonstranten haben diesen schrecklichen Tag nicht miterleben müssen. Sie mussten auch nicht erleben, wie kurz vor Kriegsende weitere Zerstörungen erfolgten, weil fanatische Nazis weiter den Endsieg propagierten und viele unschuldige Menschen ihr Leben lassen mussten, weil Einheiten der SS und der Wehrmacht sich in der Stadt verschanzt hatten. Die Schrift von Bernd Müller „Cottbus befreit“, gut und gründlich recherchiert, gibt ein Zeugnis von den Geschehnissen jener Tage und Wochen ab.

„Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“ war eine der Losungen der Demonstranten und der anschließenden Kundgebung. Und in der gegenwärtigen politischen Lage ist diese Losung so aktuell wie nachdrücklich notwendig.

Denn: Es ist bereits wieder „Fünf vor Zwölf“, der derzeitige kalte Krieg droht in einen heißen umzuschlagen.

Der Krieg in Syrien wird durch die geplante Flugverbotszone weiter eskalieren. Ob das die Bundeskanzlerin meint, wenn sie diese Möglichkeit mit ihren „Partnern“ diskutiert? Sind ihr die schrecklichen Erfahrungen mit diesem Vorgehen in Libyen nicht mehr in Erinnerung? Die Verteidigungsministerin, selbst Mutter von sieben Kindern, posiert derweil vor den Kameras mit einem hohen Marineoffizier beim Besuch eines neuen Marinekampfschiffes, das viele Millionen Euro kostet.

Die Erhöhung des Rüstungsetats wird gefördert, während in den Schulen und Kindergärten der Putz von den Wänden bröckelt, die Wasserleitungen undicht sind und kaputtes Pflaster auf den Gehwegen und Schulhöfen Kinder, Eltern und Erzieher gefährdet, von kostenlosen Schulbüchern und anderen Unterrichtsmitteln gar nicht zu reden. Das Geld für die Rüstung sollte besser eingesetzt werden: Für Bildung und Ausbildung, für eine angemessene Bezahlung der Lehrer und Erzieher, für die Verkleinerung der Schulklassen, Kindergarten- und Hortgruppen, für Kultur und die Förderung kulturellen und gesellschaftlichen Lebens, für bezahlbare Wohnungen und Nahverkehrsmittel, für eine saubere und lebenswerte Umwelt ohne Gewalt und Fremdenhass.

Für eine friedliche Zukunft unserer Kinder lohnt es, sich zu engagieren, zu demonstrieren und sich, wo immer es geht, in die politische Diskussion einzubringen, Tag für Tag!

Dr. Heinz Süße

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